Canva und Druckvorstufe
Canva ist für die Vorbereitung von Druckunterlagen nur mit deutlichen Einschränkungen brauchbar, sobald es in den professionellen Prepress-Bereich geht. Für einfache Anwendungen wie den Ausdruck eines Flyers oder Posters im Copyshop mit geringem Anspruch kann das Tool ausreichen, bei anspruchsvollen Druckproduktionen stößt es jedoch schnell an Grenzen.
Hinweis: Canva unterliegt einer sehr dynamischen Weiterentwicklung. Die hier gegebenen Informationen entsprechen dem im Stand April 2026.
Beschnitt
Beim Thema Beschnitt bietet Canva eine funktionierende, aber eher einfache Lösung. Beschnitt und Schnittmarken lassen sich beim PDF-Export aktivieren, allerdings ist der Beschnitt nicht als fester Bestandteil des Dokumentaufbaus integriert, wie man es aus professionellen Layoutprogrammen kennt.
Farben & Farbsteuerung
Am stärksten eingeschränkt ist Canva im Bereich Farbmanagement. Eine gezielte Arbeit mit ICC-Profilen ist praktisch nicht möglich, und auch wenn ein CMYK-Export verfügbar ist, fehlt die Kontrolle über die tatsächliche Farbumsetzung. Für farbkritische Produktionen, etwa im Rahmen eines Corporate Designs oder im Offsetdruck, ist das ein erhebliches Risiko, da keine verlässliche Farbverbindlichkeit gewährleistet werden kann.
Canva bietet zwar die Möglichkeit, Designs als „Druck-PDF“ mit CMYK-Ausgabe zu exportieren (in der Pro-Version), aber das sollte man nicht mit einem echten, kontrollierten CMYK-Workflow verwechseln.
Die Umwandlung von RGB in CMYK passiert im Hintergrund automatisiert, ohne dass darauf Einfluss genommen werden kann, wie genau diese Konvertierung erfolgt. Es fehlen zentrale Funktionen wie eine Vorschau, wie Farben im späteren Druck tatsächlich wirken werden.
Das hat praktische Konsequenzen: Farben können im Druck deutlich anders aussehen als auf dem Bildschirm, insbesondere bei kräftigen Markenfarben, feinen Abstufungen oder sehr gesättigten Tönen.
Da Canva kein Softproofing und keine gezielte Steuerung der Farbseparation bietet, ist dies bei farbkritischen Projekten – etwa im Corporate Design oder bei hochwertigen Anzeigen – ein echtes Risiko.
PDF/X
Während in der Druckvorstufe häufig normierte Formate wie PDF/X-1a oder PDF/X-4 gefordert werden, liefert Canva in der Regel lediglich ein allgemeines Druck-PDF ohne garantierte Normkonformität. Wichtige Parameter wie Transparenzreduzierung, Auflösung, Kompression etc. lassen sich nicht gezielt steuern.
Unsere Empfehlung
Verwenden Sie bitte nach Möglichkeit statt Canva ein professionelles Werkzeug wie z.B. Adobe InDesign. Falls dies keine Option für Sie ist, beschreiben wir hier einen Workaround. Der Workaround ist keine ideale Lösung, sondern eine Notbehelf!
Workaround
Sie benötigen für diesen Workaround:
- Canva PRO
- Acrobat Pro
Seite in Canva anlegen
Canva kann intern nur mit einem fixen Beschnittzugabe von 0,125 Zoll (3,175 mm) arbeiten. Hinzu kommt, dass keine Bleedbox in der PDF angelegt wird. Bitte nutzen Sie nicht die interne Beschnittzugabe und legen Sie stattdessen ein Nettoformat mit Beschnittzugabe an.
Wenn z.B. die Größe die Größe des Beschnittenden Endformates der Anzeige 210 x 297 mm sein soll und rundum 4 mm an Anschnitt anzulegen ist, addieren Sie an allen Seiten 4 mm.:
- 210 mm + 4mm (rechts) + 4 mm (links) = 218 mm
- 297 mm + 4mm (oben) + 4 mm (unten) = 305mm
Gehen Sie dazu auf Datei > Neues Design erstellen > Eigene Größe und stellen Sie dort die Werte ein, indem Sie zuerst auf "mm" umstellen und dann die Werte eingeben.
Falls Sie schon ein fertiges Layout haben, gehen Sie bitte auf Größe Ändern > Eigene Größe. Geben sie dort die Werte ein und wählen Sie entweder Kopieren & Größe ändern um eine Kopie der Seite in der richtigen Größe anzulegen oder Die Größes dieses Designs anpassen, um direkt die Größe automatisch anpassen zu lassen.
Aufgrund mangelhafter Umrechnung in Canva vom amerikanischen in das metrische System kommt es zu Ungenauigkeiten bei den Maßen: Diese liegt in der Größenordnung von +/- 0,1 mm. Durch den Toleranzbereichen von +/- 0,25mm sollte es meistens zu keinen Schwierigkeiten kommen.
PDF erstellen
Als nächsten erstellen Sie eine rudimentäre PDF-Datei, die als Ausgangsmaterial dient, um in Acrobat Pro daraus eine brauchbare PDF zu erstellen.
Wählen Sie rechts oben Teilen > Download, wählen sie als Dateityp PDF-Druck. Als Farbprofil wählen Sie CMYK (für den professionellen Druck). Alle anderen Checkboxes lassen Sie bitte auf false.
Gehen Sie danach auf den Button Download, um das PDF herunterzuladen
Das PDF, das nun heruntergeladen wird, ist alles andere als druckfähig (im professionellen Sinne). Das Farbprofil passt zu keinem in Europa eingesetzten Druckprozess, der Beschnitt ist noch nicht angelegt und es sind zahlreiche Optimierungen notwendig, damit die Datei PDF/X-fähig wird.
Canva bettet das Farbprofil GRACol 2013 CRPC6 (ISO 15339-2) ein, welches auf den Charakterisierungsdaten CGATS21-2-CRPC6 (CGATS 21.2) basiert. CGATS21-2-CRPC6 wird primär im nordamerikanischen Raum eingesetzt. CRPC6 ist Teil der sogenannten GRACoL- bzw. G7-Methodik, die in den USA sehr weit verbreitet ist. Viele Druckereien in Nordamerika arbeiten nach diesen Spezifikationen, insbesondere im Offsetdruck auf gestrichenen Papieren.
PDF druckfähig aufbereiten
1. Öffnen Sie Acrobat Pro und gehen sie dann auf Datei > Öffnen und wählen Sie die heruntergeladene Datei (meist in Downloads).
2. Wählen Sie nun aus den Tools Druckproduktion verwenden. Gehen Sie danach auf das Werkzeug Seitenrahmen festlegen.
3. Wählen Sie unter Randeinstellungen > Anwenden auf: Endformatrahmen und geben Sie dort die Werte für die Beschnittzugabe an, die sie vorher addiert haben. Klicken Sie danach auf OK.
4. Gehen Sie nun noch einmal unter Druckproduktion verwenden auf Als PDF/X speichern. Im Speicherdialog sollte dann Format: PDF/X automatisch gewählt sein. Klicken Sie hier auf Einstellungen.
5. Wählen Sie hier die Einstellung Als PDF/X-4 speichern und setzen Sie den Haken bei PDF/X-4 entsprechend des folgenden PDF/X-4-Konvertierungsprofil erzeugen. Wählen Sie aus der Liste den Eintrag Nach PDF/X-4 konvertieren (Coated FOGRA39). Setzen Sie die folgenden Haken auf true:
- Korrekturen anwenden
- Geräteunahängiges RGB oder Lab in Zielfarbraum konvertieren
- Geräteunabhäniges Grau oder CMYK dekalibrieren
Klicken Sie danach auf OK. Prüfen Sie, ob das Ergebnis, ihren Erwartungen entspricht, in dem Sie die umgewandelte Datei in Acrobat ansehen.
6. Laden Sie die gespeicherte neue Daten beim DUON-Portal hoch. Es wird eine Prüfung durchgeführt und dabei erkannt, dass die Datei konvertierbar ist. Mit dem Farben-Umwandeln-Button wird die Datei von CoatedFOGRA39 automatisch in das geforderte Zielprofil konvertiert. Nach der Umwandlung wird noch automatisch eine weitere Prüfung durchgeführt, die i.d.R. jedoch maximal mit einer Warnung abschließen sollte.
7. Unter dem Button Ergebnis anzeigen finden Sie die umgewandelte Datei. Prüfen Sie diese bitte unbedingt durch Öffnen in Acrobat.
8. Versenden Sie die Datei und geben Sie nach Ihrer Prüfung die Warnung ggf. frei.
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